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10200 - 10280 Azurit, Bergblau, basisches Kupfercarbonat blau, Pigment Blue 30



Chemische Zusammensetzung: 2CuCO3·Cu(OH)2

aus: Bergwerckslexicon
Armenier Stein
Armenius lapis, ist ein Stein, so zwar dem Namen nach erst aus Armenien gekommen, nun mehr aber sich gar häufig in Teutschen Berwerken befindet, und mehrenteils in Silber-Gruben, neben dem Berg-Grün, siehet grün-blau aus; daher das Berg-Blau vor die Mahler, daraus gemachet wird, davon eine Sorte immer feiner als die andere ist, nachdem nehmlich der Stein wohl gerieben, gewaschen und von Sand gesaubert worden.

Azurit, auch Kupferlasur und Bergblau, ist ein basisches Kupfercarbonat. Es entsteht durch Verwitterung von Kupfersulfiden. Azurit wurde in der Antike auf der Sinaihalbinsel, im Mittelmeer in Spanien, Italien, Deutschland und England abgebaut. Die berühmtesten Fundorte in Europa waren die Kupferminen bei Athen, Chessy bei Lyon und Schwaz bei Insbruck. Heute kommen die meisten Azurite entweder aus der Wüste Tsumeb in Namibia oder aus Nordmexiko oder den Südstaaten der USA. Im Regelfall treten nennenswerte Verunreinigungen von Kupferoxid, Kupfersulfid und anderen basischen Kupfercarbonat (z.B. Malachit, Curpit etc.) bei Azurit auf. Ab dem 18. Jahrhundert etwa wurde Azurit auch künstlich hergestellt, und zwar durch Erhitzen von Kupfernitrat und Kreide oder aus Kupferchlorid.

Eine halbe Geode kann in ihrem Inneren hochreines kristallines Azurit zeigen und in den Randbereichen durch verschiedene andere Schwermetalle, Quarz und weitere Beimischungen verunreinigt sein. Durch die Vielzahl von Vorkommen war immer auch eine Vielzahl verschiedener Qualitäten von Azurit im Gebrauch.

Azurit wird bevorzugt in wässrigen Leimfarben verwendet, in Öl grünt es, in Kalk ist es frisch verarbeitbar, soweit der Kalk eisen- und schwefelfrei ist. Auch Chlor sollte nicht in den zu bemalenden Wänden enthalten sein, da sonst Paratacamit, ein basisches Kupferchlorid, entstehen könnte. Azurit ist nicht hitzebeständig und wird durch Schwefelwasserstoff geschwärzt.

Azurit wurde bei den Ägyptern schon 2500 v.Chr. verwendet, auf den Wandmalereien der Mayas in Bonampak wurde ebenfalls Azurit gefunden. In der Renaissancezeit wurde Azurit "Azzuro" genannt, später nach dem Maler Paolo Veronese auch "Bleu Paul Veronese". Auch in Ostasien wurde und wird immer noch Azurit häufig verwendet.

 

Als natürliches Mineral kann Azurit recht unterschiedliche Nuancen aufweisen. Es ist in der Natur zwar an zahlreichen Stellen zu finden, tritt aber meist nur in Form kleinerer in Gestein eingebetteter Kristalle auf. Diese können von tief indigofarben bis ultramarinblau, von kobaltblau bis nach türkis spielen. Auch sind fliessende Übergänge von blau nach malachitgrün häufig. Betrachten wir uns die chemische Formel [2CuCO3·Cu(OH)2] und vergleichen mit der von Malachit [CuCO3·Cu(OH)2], so stellen wir fest, dass letzteres carbonatarmer ist. Dieser Tatsache liegt ein natürlicher Vorgang zugrunde, bei dem sich ein Teil des Kupfercarbonats durch Feuchtigkeit in Kupferhydroxid umsetzt. Bei den einzelnen farblichen Spielarten handelt es sich also um fliessende chemische Übergänge! Dabei steht die Frage im Raum, ob es sich bei den tiefdunklen Kristallen um eine carbonatreichere Variante handelt, als bei den kobaltblauen.

Nichtsdestoweniger sind die Kristalle mit einer Mohs-Härte von 3,5 - 4 ohne Probleme im Porzellanmörser zu einem feinen Puder zermahlbar. Dabei findet ein Farbumschlag ins Hellere und in Richtung Coelinblau statt. Je feiner übrigens das Pigment zermahlen wurde, umso leichter können Partikelchen dieser gesundheitsschädlichen Kupferverbindung vom Körper aufgenommen werden, weshalb man bei der Verarbeitung ein wenig sorgfältig sein sollte. Allerdings ist keine Gesundheitsgefährdung, wie beim häufigeren Arbeiten mit Bleipigmenten gegeben!

Normalerweise wird Azurit als Malpigment in unterschiedlich fein ausgemahlenen und farblich brillanten Tönen angeboten, wobei die reineren Nuancen die teuren sind. Im Farbauftrag entsprechen die Nuancen in etwa dem Kobaltpigmentes Blau-Grün-Oxid. Weniger brillante Sorten sind etwas schwerer im Ton und haben einen leichten Geruch.

Über die Eignung des Azurit in den unterschiedlichen Maltechniken ist schon viel debattiert worden. Wehlte und Doerner raten von einer Verwendung in Öl ab, da hier das kostbare Pigment zum Vergrünen neigen soll. Nun hat man aber bei Gemäldeuntersuchungen der Gebrüder Van Eyck festgestellt dass hier kein Farbumschlag ins Grüne stattgefunden hatte. Als Erklärung machte man die Tatsache verantwortlich, dass die Pigmentkörnchen von einer hauchdünnen Proteinschicht ummantelt waren, welche den Vergrünungsprozess zu verhindern schienen (siehe Azurit MP). Das deckt sich mit der schon verbreiteten Erkenntnis, dass Azurit (und auch Malachit) in Eitempera sehr gut haltbar ist, was durch die obligate Firnissschicht, welche das Material luftdicht versiegelt, noch verstärkt wird. Nicht nur aus technologischer Sicht ist es sinnvoll Azurit-Tempera zu firnissen, auch der Farbton gewinnt an Feuer und Tiefe! Eine Anwendung in Aquarell und Leim ist zwar denkbar, aber es stellt sich die Frage, ob dies sinnvoll ist. In Aquarell immerhin sollte man nicht zu sehr mit Gummiarabikum-Bindemittel geizen, dad dadurch der Farbton mehr Tiefe gewinnt. Eine Verarbeitung in Dispersionsbindemitteln ist ebenso denkbar, wenngleich sicherlich Neuland! Oft ist über die Verwendung im Kalkfresko gestritten worden. Wehlte lehnt dies ab, weil mitunter auf der Wand ein stellenweises Vergrünen des Blaupigmentes, welches auf eine Umwandlung in Malachit hindeutet, zu beobachten ist. Dies hat jedoch nichts mit einer Kalkunverträglichkeit zu tun! Vielmehr scheinen Umwelteinflüsse, wie Feuchtigkeit und saure Gase diesen Prozess auszulösen.

Ein gewisser Michael Price hatte sich unlängst mit dem Thema Azurit auseinandergesetzt. Dabei ging es ihm zunächst darum, Azurit in Öltechniken haltbar zu machen. Das Pigment wird einer bestimmten Behandlung unterzogen, wodurch nicht nur Ölbeständiges Azurit gewonnen wird, sondern gleichzeitig eine Trennung des Ausgangspigmentes in verschiedene Farbtöne und Feinheitsgrade stattfindet, von ausgesprochen rotstichigen Nuancen bis hin zu grünlichem Blau.

Betrachtet man die Naturvorkommen, so handelt es sich hier um genau die Nuancen, in denen die Kristalle auftreten. Dabei drängt sich die Frage auf, ob hier nicht von vorneherein die natürlichen Sorten separat verwendet wurden, was eine umständliche Trennung der Standardsorte überflüssig gemacht hätte. Der nächste Schritt könnte vergleichsweise einfach sein, indem die unterschiedlichen Pigmentvarianten durch eine entsprechende Schutzschicht "gecoatet" (=ummantelt) werden.

Neben Lapislazuli war Azurit das bedeutendste beständige Blaupigment von der Antike bis zur Erfindung des Kobaltblaus im späten 18. Jh. Eindeutig verbürgt wird der Einsatz von Azurit erstmals durch Cennino Cennini im 15. Jh. Es findet sich vor allem in der Tafelmalerei in Casein- oder Eitempera sowie auf Fresken.