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36150 Rotholz, Brasilholz, Lignum fernambuci



C.I. Natural Red 24

Der Begriff "Rotholz" bezeichnet eine ganze Reihe verschiedener Holzarten, welche nach den Eigenschaften ihrer färbenden Inhaltsstoffe in zwei Gruppen eingeteilt werden: lösliche Rothölzer und unlösliche Rothölzer. Brasilholz gehört nach dieser Einteilung zu den löslichen Rothölzern. Unlösliche Rothölzer sind beispielsweise Sandelholz, Camholz, Narraholz, Barholz, Muningaholz und Korallenholz. Die Bezeichnung Brasilholz verdankt es dem arabischen Wort "Braza", was soviel heisst wie hellrot.

Das beste Fernambukholz kommt aus Brasilien oder Jamaika. Es handelt sich um Caesalpinia crista, einen Baum aus der Familie der Leguminosen. Das Holz ist im Inneren gelblich, aussen rot gefärbt. Der Inhaltsstoff Brasilin wird durch Oxidation in Brasilein umgewandelt und ist sehr eng mit dem im Blauholz enthaltenen Hämatoxylin (bzw. Hämatoxylein) verwandt, beide sind Neoflavonoide. Um den Farbstoff zu gewinnen, stellt man aus dem geraspelten Holz wässrige Auszüge her, welche zunächst gelblich sind, später dann durch Stehen an der Luft rötlich werden. Älteres Holz enthält mehr Farbstoff und die Auszüge sind von Anfang an rötlich. Durch Säuren ändert sich die Farbe zum Gelblichen, Laugen bewirken einen stärkeren Rotton. Mit Hilfe von Salzen können Lacke ausgefällt werden. Zinnsalze ergeben einen karminroten Niederschlag, Eisenvitriol einen violetten. Die Lacke wurden früher z.B. als Münchner Lack, Berlinerrot oder Kugellack gehandelt.

Rotholz wurden schon in alter Zeit in Ostindien zum Färben verwendet. Erst als um 1500 portugiesische Schiffe die Ostküste Brasiliens (zuerst Terra de Brasil, später Brasil genannt) entdeckten, wurde der rotbraune, geruchslose Farbstoff Brasilin nach Europa importiert.

Bis zum 16. Jahrhundert waren Rotholz, Kermes, Krapplack und lac dye die einzigen roten, pflanzlichen Farbmittel. Im Mittelalter wurde der Farbstoff in der Miniaturmalerei und Textilfärberei verwendet. Um ein rotes Farbpigment für die Malerei herzustellen, musste der Farbstoff aus dem Rotholz extrahiert werden. Die dadurch entstandenen gelblich-braunen bis rötlichen Farblacke wurden meist auf Tonerde gefällt und auf Kaolin oder ähnlichen Substrate niedergeschlagen. Der Rotholzextrakt hatte auch zum Rotfärben von Textilien, Hölzern und Tinten eine grosse Bedeutung.

Heute wird er seltener zum Färben dieser Materialien eingesetzt, da er durch synthetische Farbstoffe weitgehend verdrängt ist. Rotholzextrakt wird heute verstärkt zum Färben mikroskopischer Präparate und als Säure-Base-Indikator verwendet.

Obwohl Säuren und Laugen eine Farbtonveränderung der Rotholzextrakte bewirken können, sind bereits gefärbte Materialien gegenüber Säuren und Laugen sehr empfindlich. Auch die Lichtbeständigkeit ist, verglichen mit heutigen Farbstoffen, nur sehr gering. Gefärbt wurde neben Woll- und Baumwollstoffen vor allem auch Leder. Häufig wurden durch Mischen mit Cochenille, Gelbholz oder Blauholz violette, graue oder schwarze Farbtöne erzielt.

Rotholzextrakte (36160) werden durch Eintrocknen wässriger Auszüge hergestellt. Sie sind als Stücke oder in Pulverform im Handel, früher war Rotholzextrakt auch als flüssiger Brei erhältlich. Rotholzextrakte sind etwas schwieriger zu handhaben, teilweise müssen sie sehr lange gekocht werden, bis der Farbstoff wieder in Lösung geht.

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